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Führung im Fokus

Frühjahrstagung 2026 der KEPP in Malente blickte auf Verantwortung, Belastung und Begleitung von Führungskräften

Vom 23. bis 27. Februar 2026 trafen sich evangelische Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrer aus ganz Deutschland im Uwe-Seeler-Fußball-Park in Malente zur Frühjahrstagung der Konferenz Evangelischer Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrer (KEPP) . Die Tagung unter dem Leitmotiv „Führung stärken“ und widmete sich der Frage, wie Führung in Polizei verantwortungsvoll gestaltet werden und welchen Beitrag die Polizeiseelsorge dazu leisten kann.

Bereits zum Auftakt wurde deutlich, dass das Thema viele Facetten hat. Nach Begrüßung, Andacht und Vorstellungsrunde führte ein Einführungsvortrag in die Schwerpunkte der Tagung ein. Ein anschließender, inspirierender Vortrag eines Polizeibeamten und Fußballschiedsrichters schlug eine Brücke zwischen Sport und Polizeiarbeit: Führung auf dem Spielfeld – unter Zeitdruck, mit klaren Entscheidungen und hoher öffentlicher Aufmerksamkeit – wurde als anschauliches Beispiel für Führung in komplexen Situationen diskutiert.

Führung in der Polizei

Der erste thematische Schwerpunkt galt der Führung im Polizeidienst. In einem Vortrag stellte die Schleswig-Holsteinische Landespolizeidirektorin Dr. Maren Freyher zentrale Aspekte polizeilicher Führung vor und ging besonders auf Entscheidungsprozesse unter Einsatzdruck ein. In der anschließenden Diskussion reflektierten die Teilnehmenden eigene Erfahrungen aus der Begleitung von Führungskräften im Polizeialltag. Dabei wurde deutlich, dass Führung nicht nur organisatorische Kompetenz, sondern auch persönliche Stabilität und Reflexionsfähigkeit verlangt.

Am Nachmittag rückten problematische Führungsstrukturen in den Blick. Unter dem Stichwort „Dark Leadership“ sprach Eileen Lensch, Vizepräsidentin der Bundespolizeiakademine (BPOLAK) über Folgen destruktiver Führungsstile für Mitarbeitende und die Polizei als Organisation. Die angeregte Diskussion im Anschluss machte deutlich, wie wichtig eine sensible Wahrnehmung solcher Dynamiken auch für die Polizeiseelsorge ist.

Perspektiven aus der Kirche

Am dritten Konferenztag weitete sich der Blick auf kirchliche Leitungsstrukturen. Ein Vortrag von Oberkirchenrat Marcus Antonioli zur Führung in der Kirche erlaubte einen Blick auf Parallelen zwischen Führung in Kirche und Polizei auf: Verantwortung, Entscheidungsdruck und die Herausforderung, Menschen in komplexen Organisationen zu begleiten.

Ein besonderer Höhepunkt nicht nur des Tages, sondern der ganzen Tagung war der gemeinsame Gottesdienst in der St.-Michaelis-Kirche in Eutin. Polizeipfarrer Christian Kiesbye wurde in dem Gottesdienst offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Zugleich wurde sein Nachfolger Thomas Dietl in sein Amt eingeführt. Der Gottesdienst bildete zugleich einen offiziellen Anlass für Begegnung und Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Landeskirche und der Polizei.

Seelsorge für Führungskräfte

Der vierte Tag stellte schließlich die seelsorgliche Begleitung von Führungspersonal in den Mittelpunkt. Ein Vortrag von Militärdekan Ernst Raunig zeigte aus der Perspektive der Militärseelsorge, welche besonderen Belastungen Soldatinnen und Soldaten ausgesetzt sein können. Gerade Führungskräfte stehen dabei häufig zwischen institutionellen Erwartungen, operativen Entscheidungen und persönlicher Verantwortung. Im gemeinsamen Gespräch wurde Schnittstellen zwischen Militär- und Polizeiseelsorge erkundet. In Arbeitsgruppen tauschten sich die Teilnehmenden anschließend darüber aus, wie Seelsorge hier unterstützend wirken kann – etwa durch vertrauliche Gespräche, ethische Reflexion oder Begleitung in Krisensituationen. Die Diskussion machte deutlich, dass Führungskräfte in der Polizei oftmals nur begrenzte Räume für persönliche Entlastung haben und seelsorgliche Angebote daher eine wichtige Rolle spielen können.

Einblicke in die Praxis

Auch praktische Einblicke gehörten zum Programm. Bei einem Besuch im Einsatztrainingszentrum Hubertushöhe der Landespolizei Schleswig-Holstein konnten die Teilnehmenden moderne Trainingskonzepte kennenlernen und sich über aktuelle Anforderungen in der polizeilichen Aus- und Fortbildung informieren. Die Begegnung mit Verantwortlichen vor Ort vertiefte das Verständnis für die Arbeitsbedingungen von Polizeikräften in Aus- und Fortbildung. Leitender Polizeidirektor Michael Kock gab schließlich tiefere Einblicke in die Arbeit und Leitung der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei (PD AFB).

Austausch im Netzwerk

Neben den Fachvorträgen und Exkursionen blieb viel Raum für interne Beratungen und persönlichen Austausch innerhalb des bundesweiten Netzwerks der Polizeiseelsorge. Interne Beratungen und gemeinsame Abende stärkten den kollegialen Zusammenhalt.

Bei der Vorstandswahl wurde erneut Uwe Köster (Bremen) zum Vorsitzenden der KEPP gewählt. Neu als Stellvertreter:innen im Vorstand wurden Constanze Greiner (Sachsen-Anhalt) und Patrick Klein (Hamburg) gewählt. Zum vierköpfigen Vorstand gehört ausserdem weiterhin Dr. Karsten Dittmann (DHPol), der geborenes Mitglied nicht gewählt werden musste.

Am Ende der Tagung stand ein klares Fazit: Führung ist ein zentrales Thema für Polizei und Kirche gleichermaßen. Für die Polizeiseelsorge bedeutet das, Führungskräfte noch stärker als bisher in den Blick zu nehmen – als Menschen mit Verantwortung, aber auch mit eigenen Belastungen und Fragen. Die Frühjahrstagung in Malente setzte dafür wichtige Impulse.

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